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MOBILITÄT IM WANDEL | w.news 10.2017

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10.2017 | Wirtschaftsmagazin der IHK Heilbronn-Franken. Themen: Mobilität im Wandel • Advertorial B4B Themenmagazin

dossier INTEGRATION

dossier INTEGRATION POTENZIAL AUSSCHÖPFEN Aus Sicht der Wirtschaft sind die Voraussetzungen für Geflüchtete für eine gelingende Arbeitsmarktintegration zwar individuell sehr verschieden, jedoch muss man generell von hohen Sprach- und Qualifizierungsbedarfen ausgehen. Um diese Bedarfe zu decken, und eine tatsächliche Integration in die Lebens- und Arbeitswelt zu schaffen, ist ein langer Atem notwendig. Bereits vor einem Jahr stellte das Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung in seiner Analyse fest, dass etwa 70 Prozent der Flüchtlinge keine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Die Bundesagentur für Arbeit hat Arbeitssuchende aus den nicht-europäischen Asylherkunftsländern hierzu in ihrer Statistik erfasst. Dieser hohe Wert ergibt sich daraus, dass es in den Heimatländern der Geflüchteten kein duales Ausbildungssystem wie in Deutschland gibt, und dadurch Nachqualifizierungen notwendig werden. Hohes Interesse Viele der Geflüchteten sind jünger als 25 Jahre und sehr an einer Ausbildung interessiert. Oftmals bringen sie Vorkenntnisse aus Studium oder Berufen im Heimatland mit, und sind bereit, längere Praktika zu absolvieren. Teilweise haben sie auch eine Teilanerkennung ihres Studiums oder ihres Berufsabschlusses durch die IHK FOSA erhalten. Die Abschlüsse in den Herkunftsländern sind jedoch in der Regel sehr theoriebezogen, sodass die praktischen Lernfelder für eine volle Anerkennung durch die Ausbildung im Betrieb nachgeholt werden müssen. Die Unternehmen der Region benötigen Fachkräfte und stehen der Beschäftigung von Flüchtlingen offen gegenüber. Für beide Seiten stellen sich jedoch einige Fragen zum Thema Ausbildung. Hier setzt die IHK an, mit drei Vermittlern für jugendliche Flüchtlinge in Ausbildung, auch Kümmerer genannt. „Kümmerer“ informieren und unterstützen Um zunächst bei den Geflüchteten „Die Kümmerer stehen während der gesamten Ausbildung als Ansprechpartner zur Verfügung. das Prinzip und die Vorteile der Dualen Ausbildung (Dauer in der Regel drei Jahre) bekannt zu machen, vermitteln die Kümmerer mithilfe von Präsentationen für Gruppen und in Einzelgesprächen ausführliche Informationen zu dem Thema. Damit beginnen sie bereits bei jugendlichen Schülern in den VAB-O Klassen (Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse), sobald im Jahresfortschritt grundlegende Deutsch- “ kenntnisse vorhanden sind. Aber auch mit Vorträgen in Integrations- und Deutschkursen werden junge Erwachsene bis 35 Jahre durch die Kümmerer informiert. Dabei werden – oftmals in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren wie beispielsweise der Agentur für Arbeit – verschiedene Möglichkeiten für den Start ins Berufsleben aufgezeigt. Ebenso werden interessierte Unternehmen besucht. Diese erhalten Informationen über Aufenthaltsrecht, Fördermöglichkeiten und Hilfen zum Thema „Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung“ für eine gute Integration in die bestehende Belegschaft. Flüchtlinge als Auszubildende Damit die Ausbildung erfolgreich verlaufen kann, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen das Erreichen des erforderlichen Sprachniveaus. Während für ein mehrtägiges Praktikum zum Kennenlernen einer Tätigkeit bereits das Sprachniveau A2 (nach GER, Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen) ausreicht, sollte für ein mehrmonatiges Praktikum zur Berufsorientierung oder für eine Einstiegsqualifizierung (EQ- Praktikum) das B1-Niveau vorausgesetzt werden. B2-Niveau ist für das Bewältigen einer Ausbildung notwendig, zu der auch die Aufgaben in der Berufsschule gehören. Diese Erfahrungswerte sind jedoch keine Zulassungsbedingung für die Aufnahme einer Ausbildung. Obwohl die Geflüchteten sehr motiviert sind, die deutsche Sprache schnellstmöglich zu erlernen und sich mit B2-Sprachniveau schon sehr gut verständigen können, sind die sprachlichen Hürden in der Ausbildung doch relativ hoch. Vor allem die ersten Monate in der Berufsschule gestalten sich eher schwierig und erfordern ein hohes Maß an Durchhaltevermögen. Aber auch in der praktischen Ausbildung stellt die Sprache – und der teilweise regional vorherrschende Dialekt – eine Hürde dar. Da die Auszubildenden die Berufs- und Fachsprache noch nicht verstehen, braucht man mehr Zeit für Erklärungen und Anleitungen. Zudem müssen die Geflüchteten häufig erst an die deutsche Arbeitsweise und -kultur herangeführt werden. Dennoch ist es wichtig den Geflüchteten keinen Sonderstatus einzuräumen, wie bei allen anderen Auszubildenden sind auch hier alle Instrumente der Ausbildung zu nutzen und gegebenenfalls anzuwenden. Die Kümmerer prüfen auch die rechtliche Voraussetzung für die Aufnahme einer Beschäftigung. Diese ist eng mit dem Aufenthaltsstatus verbunden. Die Kümmerer der IHK Heilbronn-Franken betreuen Geflüchtete von der Berufsorientierung über Kompetenzabfragen bis zu Entwurf und Umsetzung eines Berufs- 34 OKTOBER 2017

INTEGRATION weges. Der Teilnehmer wird passenden Firmen vorgeschlagen und erhält Hilfe bei Bewerbung und Vorstellung. Ein üblicher Weg ist ein kleines „Schnupper- Praktikum“ vorab, beispielsweise gefolgt von einem längeren EQ-Praktikum mit Lernen in Berufsschule und Arbeit, während gleichzeitig die Deutschkenntnisse bei Bedarf noch verbessert werden können. Im Anschluss kann die Ausbildung beginnen. Erfolgsrezepte für Integration in Betrieben Es gibt viele Beispiele, bei denen die Integration in den Betrieben der Region Heilbronn-Franken erfolgreich gelungen ist und die Ausbildung ein Mehrwert für beide Seiten darstellt. Sicherlich gibt es nicht das eine Erfolgsrezept – und dennoch gibt es Dinge, die die Integration vorwärtsbringen und einfacher machen. Es hat sich beispielsweise als sehr erfolgreich erwiesen, Flüchtlingen im Betrieb Ausbildungspaten zur Seite zu stellen. Dies erleichtert den Einstieg in die Ausbildung und fördert gleichzeitig den Zusammenhalt im Betrieb. Die bisherigen Erfahrungen haben außerdem gezeigt, dass es sich sehr positiv auswirkt, wenn die Geflüchteten die Möglichkeit bekommen, den anderen Auszubildenden und Mitarbeitern ihre Geschichte zu erzählen und ihnen ihr Heimatland und ihre Kultur vorzustellen. Das fördert das Verständnis und die Unterstützung der Kollegen für diese jungen Menschen mit Fluchterfahrung. Die IHK unterstützt und begleitet Die Kümmerer aus den Netzwerken und bei der IHK Heilbronn-Franken stehen sowohl den Ausbildungsbetrieben als auch den Flüchtlingen während der gesamten Ausbildung als Ansprechpartner zur Seite. Es gibt auch noch viele weitere Unterstützungsmöglichkeiten, wie beispielsweise „abH“ (ausbildungsbegleitende Hilfen) bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Hier können Flüchtlinge zwischen drei und acht Stunden pro Woche Nachhilfe in den Berufsschulfächern mit Fokus auf das Sprachverständnis erhalten. Ebenso ist „VerA“ (Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen) eine gute Unterstützungsmaßnahme für Flüchtlinge, die keine ehrenamtlichen Betreuer haben. Bei „VerA“ werden junge Menschen während der Ausbildung durch Ehrenamtliche, sogenannte Senior-Experten begleitet und unterstützt. Für Geflüchtete ab 37 Jahren gibt es die Möglichkeit, über das Programm „WeGebAU“ der Agentur für Arbeit einen Facharbeiter-Status durch die Teilqualifizierung zu erreichen. IHK-Programm • 617 Beratungsgespräche mit Geflüchteten in der Region • 339 Beratungsgespräche mit Unternehmen in der Region • 25 Vermittlungen in ein EQ-Praktikum • 42 Vermittlungen in Ausbildung Langer Atem gefragt Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist es wichtig und sinnvoll, das Potenzial dieser Menschen zu nutzen und sie bestmöglich zu qualifizieren. Anhand der Erfahrungen aus vorangegangenen Flüchtlingswellen ist davon auszugehen, dass im Regelfall zwei Jahre benötigt werden, bis die Ausbildungsreife der jetzt zu uns Geflüchteten erreicht ist. Dann erst kann eine Ausbildung begonnen werden. Diese dauert im Regelfall drei Jahre. Somit umreißt der Zeitraum der Arbeitsmarktintegration fünf bis zehn Jahre, bis die Geflüchteten voll und ganz in unserem Arbeitsmarkt verwurzelt sind. Ein langer Atem ist somit gefragt. Weiterführende Links • Bundesweites Aktionsprogramm „Ankommen in Deutschland – gemeinsam unterstützen wir Integration“ hat bislang mit fast 800 Veranstaltungen mehr als 14.000 Unternehmen erreicht (Februar - November 2016). • Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge: vom DIHK initiiert und vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert, bietet die Plattform Knowhow rund um Rechtsfragen und Integrationsinitiativen sowie Praxis-Tipps zur Integration von Flüchtlingen. • DIHK-Leitfaden für Unternehmen zur Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Beschäftigung.

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